Montag, 26. Januar 2015

Wladimir, was tust Du hier?


Riesa, überraschende Begegnung mit einem alten Bekannten. Auf einer Grünanlage direkt an der Straße, die sich als russischer Soldatenfriedhof entpuppt, steht dieser Lenin, "ein Geschenk sowjetischer Metallurgen zum 30.Jahrestag der Befreiung vom Faschismus durch die ruhmreiche Sowjetarmee", wie auf der Rückseite des Sockels steht. Es stammt von Nikolai Tomski, wie auch das Lenindenkmal in Berlin. Er hat Lenin noch mindestens ein Dutzend Mal porträtiert, offenbar wurde ihm das nicht langweilig. Aber Andy Warhol hat ja bei seinen Porträt-Aufträgen für Prominente ähnlich gearbeitet. Eine Plakette informiert, daß das Denkmal nach 1989/90 für die Bevölkerung Riesas "seinen einstigen Sinn verloren" hat und dem "Verständnis von einer pluralistisch-demokratischen Gesellschaft widerspricht". Deshalb erfolgte 1991 die Umsetzung auf diesen Friedhof. Als ich aus dem Auto steige, bin ich nicht der einzige Besucher. Eine Frau starrt auf ihr Handy wie auf eine Wünschelrute. Sie sucht die genauen Koordinaten eines Geocaches mit dem Namen: "Wladimir, was tust Du hier?" Lenin würde auf das Versteck hinweisen. Wir finden es nicht, sonst hätte ich mich ins Gipfelbuch mit eintragen können.

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