Posts mit dem Label Handel durch Wandel werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Handel durch Wandel werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 28. September 2011

Bukarest, Strada Luterană


Die Beschriftung der Glastür war sicher nicht billig gewesen, der professionelle Eindruck ließ einen auch eher an sich selbst zweifeln. Ich ging sogar noch einmal zurück, um auszuschließen, daß das Lokal nicht einfach "Sandwitches" hieß, daß es sich also um keinen Schreibfehler, sondern um eines dieser kommerziellen Wortspiele handelte: "Die Sandwich-Hexen". Der Fehler freute mich, aber es war keine Schadenfreude, sondern die Freude darüber, daß Menschen Fehler machten. Ohne den Fehler hätte ich mir nie vorzustellen versucht, wer der Türbeschrifter war. Warum mußte man überhaupt richtig schreiben? Die ersten französischen Buchdrucker haben die Orthographie manipuliert, damit die Wörter länger wurden und der Kunde mehr bezahlen mußte. Leider ist für uns Orthographie kein Raum der Selbstverwirklichung, man darf nichts anfassen oder umstoßen, man muß nur irgendwie heil duchkommen.

Donnerstag, 22. September 2011

Craiova, August '08

Im "caiet sugestii și reclamaţii" der Supermarktkette "Primăvara" las ich: "Das junge, brünette Fräulein von den 'Warmprodukten' ist frech und behandelt die Kunden sehr anmaßend. Schmeißt sie raus!!!!!!" Und gleich darunter: "In der Produktpalette mit Tiernahrung findet sich kein Futter für Hamster und Meerschweinchen. Eingedenk dessen, daß ein Supermarkt absichern muß, daß ..." Leider fehlte der Rest, weil ich nicht diesen Eintrag fotografiert hatte, sondern den ersten: "Im Winter müßtet ihr den Namen ändern." Diese Bemerkung, die sich auf den Namen der Kette bezog, "Frühling", erschien mir ungeheuer geistreich und pointiert und beispielhaft für den hier allgegenwärtigen Alltagshumor. Nacherzählt war es allerdings nicht so lustig, nicht weil die Übersetzung ein sprachliches Problem dargestellt hätte, sondern weil man die Beschaffenheit des "Hinweis- und Reklamationshefts" mit seinem Kästchenpapier miterzählen mußte, das auf einem Pult hinter der Kasse lag, weil man die neue Realität der Supermärkte vor dem Hintergrund der Versorgungskrise der 80er Jahre sehen mußte, weil die Zufälligkeit, mit der ich auf den versteckten Eintrag gestoßen war, dem Fund besonderen Charme verlieh, weil man die Kultur des Meckerns erlebt haben mußte, die hier gepflegt wurde, von Menschen, die sich lange Jahre von den allmächtigen Verkäuferinnen hatte gängeln lassen, weil ich jetzt in jedem, den ich auf der Straße sah, den Autor dieser Bemerkung vermuten konnte. Reisen, ohne die Sprache zu lernen, war gar nicht möglich. Mit jeder sprachlichen Anspielung, die man entschlüsseln konnte, wurde die Erfahrung intensiver und anderen, die die Sprache nicht lernten, schwerer zu erklären. Der Genuß wurde immer einsamer.

Donnerstag, 15. September 2011

Nördlich von Iași, August '09



Wir holten Benzin an einer Tankstelle, an deren Namen uns irgendetwas bekannt vorkam, bis wir sahen, daß der Betreiber den Aldi-Schriftzug verwendet hatte, eines der Embleme der Banalität unseres Daseins. Aber so, wie er es schrieb, klang es wie die Koseform eines Vornamens, und die ungeschickt nachgemalte Schrift wirkte wie die mit Nitrolack beschriebenen Knöpfe, die wir uns in unserer Kindheit als Buttons, die wir Sticker nannten, selber gebastelt hatten, denn wir trugen unser Benutzerprofil (AC/DC, Neil Young, Depeche Mode) an der Jacke spazieren. Die Nonchalance, mit der man sich hier bei einem mächtigen Konzern bediente, verlieh diesem öden Landstrich plötzlich eine Aura von Freiheit. Jedes Land braucht einen Osten, in dem die Gesetze nicht gelten, und in dem die Menschen davon träumen, in den Westen zu gehen, ein Schwingkreis, der beiden Seiten zu einer höheren Spannung verhilft.

Samstag, 13. August 2011

Bukarest, Şipotul Fântânilor



"Mini ABC" war ein vorausschauender Name für diesen Laden, denn erst gab es nur Brot und Gemüse, aber später wurde das Angebot auf Fotokopien und Versicherungen erweitert. Und ein bißchen Platz ist immer noch auf dem Schild.

Freitag, 12. August 2011

Elelectronice


Mündliches Stottern ist weit verbreitet, aber schriftliches Stottern, und das bei einem Schildermaler?

Donnerstag, 11. August 2011

Bulevardul Unirii


Obwohl wir seit 2000 Jahren keine Pfeile mehr abschießen, markieren wir damit immer noch die Richtung, eigentlich müßten wir längst kleine Raketen malen. Offizielle Beschriftungen sehen hier irgendwie immer wie Street-Art aus. Wenn man der Richtung folgt, kommt man zwar nur zum zweitgrößten Gebäude der Welt, dafür ist es aber offiziell das schwerste Gebäude der Welt.