Neubrandenburg
liegt am Tollensesee, Tollenser hieß im Osten seit 1961 der Tilsiter
Käse, die ostpreußische Stadt Tilsit war ja 1946 in Sowjetsk
umbenannt worden. Unweit von diesem See habe ich gleich zwei
Spielplätze entdeckt, die die Spielplatzforschung interessieren
dürften. Auf dem Spielplatz "Am Stier" im Kulturpark steht
ein einzigartiger steinerner Stier, der mich mit seiner
wunderschönen, geschwungenen Form und dem bekletterbaren, hohlen
Innenraum an "Tufsen" erinnert, die amorphe
Spielplatzskulptur von Egon Møller-Nielsen. Dazu die mit
Mosaiksteinen besetzte Oberfläche, die mein ortskundiger Führer
"portugiesisch" nannte. Welcher namenlose Gestalter hat
dieses Kunstwerk geschaffen? Gab es im Osten noch mehr davon? Gleich
daneben steht der Steinelefant, den ein paar Neubrandenburger auf
einem Bauhof gefunden und mit Geldspenden restaurieren lassen haben.
Er ist 1969 bei der Produktionsgenossenschaft Kunst am Bau in Dresden
in Auftrag gegeben worden. Die neue, bunte Mosaikoberfläche finde
ich ausgesprochen gelungen. Noch ganz beseelt von diesem Fund kam
schon die nächste Sensation, etwas weiter im Park befindet sich ein
Spielplatz mit gut erhaltenen Stahlrohrklettergerüsten, und zwar mit
Figuren, die ich noch nie gesehen habe, ein Kamel und ein Bulle. Aus
welcher Werkstatt stammten die? Ein selten gewordener, vollständiger
Kletterpilz mit Dach überrascht da kaum noch. Und auch die
Blockhütten stammen noch von vor der Wende, in die große kann man
nur steigen, wenn man die Stange hochkommt, das dürfte motivieren.
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Mittwoch, 27. Juli 2016
Samstag, 25. Juli 2015
Micky-Maus-Mutationen
Auf die Idee, Micky-Maus-Mutationen zu sammeln, hat mich Falko Kollege gebracht. Eine wissenschaftliche Arbeit über die komplizierte Beziehung der Ostblockstaaten zu Walt Disneys Figurenkosmos ist mir nicht bekannt, würde mich aber sehr interessieren. Dieses Modell vom Trödler in Veliko Tarnovo scheint mir aus den 60ern oder 70ern zu stammen, und es funktioniert noch einwandfrei.
Freitag, 24. Juli 2015
Elefantenrutschenblues
Schon wieder bulgarische Spielplätze, diesmal in Veliko Tarnovo. Ich nehme an, ich habe immer noch nicht alle Formen dokumentiert. Die Elefantenrutsche lockt kein Kind mehr an, unweit davon ein neuer Spielplatz, der völlig überfüllt war. In einem Kinderbuch würde der Elefant sich auf die Suche nach einem Kind machen, das auf ihm rutschen will. In seiner Verzweiflung würde er sich nachts auf einem der neuen Spielplätze unter die Klettergerüste mogeln, aber am nächsten Morgen entdeckt und verschrottet werden.
(Nachtrag: Der Elefant hat einen Freund gefunden!)
Samstag, 18. Juli 2015
Spielplätze in Sofia
Ob es so etwas wie eine Spielplatzforschung gibt? Ich suche ja immer nach diesen alten Geräten aus Metall, die bei uns größenteils der TÜV auf dem Gewissen hat. In Sofia sind die Neubaugebiete noch voll davon. Es gibt auch neue Spielplätze, meistens eingezäunt und von Firmen wie Coca Cola gesponsert, mit scheußlich buntem, klobigem Plastezeug. Dagegen die geometrische Eleganz dieser Basketballanlage auf einem Schulhof, die Erdkugel mit Leiter im Inneren, das Schnellboot mit Lenkrad, die rührende Rutsche, das ist so einfach, poetisch und gekonnt. Wo sind die Menschen, die das damals entworfen haben?
Samstag, 28. März 2015
Görlitz/Zgorzelec
Als
ich Görlitz nach einer Katastrophenfahrt durchs Erzgebirge mit
halbem Kreislaufkollaps und Nervenzusammenbruch erreiche, begrüßt
mich auf dem erstaunlicherweise kostenlosen Parkplatz der riesige
Schriftzug: "WÄHLT THÄLMANN!" Über die Reize des
mittelalterlichen Görlitz muß man nicht mehr reden, "Aber
Görlitz ist ja wirklich schön!", so ein Satz ärgert einen
schon fast wieder, weil er so klingt wie: "Wenigstens sind die
Beatles ordentlich angezogen." In der DDR-Zeit ist die Altstadt
verfallen, und der "Flüsterbogen", den es hier am Markt
gibt, und der tatsächlich funktioniert, war nur ein schwacher Trost
für fehlende Telefone. Entsprechend beliebt ist auch heute noch das
Neubaugebiet Königshufen, wer damals dorthin ziehen durfte, konnte
sich glücklich schätzen und bleibt heute auch dort wohnen. Jeder
hat schon einmal davon gehört, wie liebevoll die Görlitzer Altstadt
nach der Wende renoviert worden ist, daß hier dauernd
Hollywood-Filme gedreht werden, und daß "sogar"
westdeutsche Rentner sich hier für ihren Lebensabend ansiedeln
(Pensionopolis hieß die Stadt aber schon unter den Preußen, und bei
einem Bevölkerungsrückgang seit der Wende von ca. 100000 auf 54000
Einwohner bräuchte man viel mehr davon.) Die Rettung der Altstadt
wurde mit der fast kompletten Zerstörung der Industrie (Waggonbau,
Textilindustrie, Frottana-Handtücher in Großschönau!) bezahlt und mit dem Weggang
der Jugend. Im polnischen Teil der Stadt, jenseits der Neiße,
herrscht dagegen Wohnungsmangel, hier gibt es junge Leute, und viele
Polen, die in Deutschland arbeiten, wohnen inzwischen in Görlitz,
weil es dort Wohnraum gibt. Die polnische Seite beeindruckt durch
einen kaskadenartigen Plattenbaukomplex, der neuerdings schamvoll
verdeckt wird von einer Altstadt-Imitation, die an die Ästhetik der
deutschen Seite angelehnt ist. Aber man sieht die markanten
Plattenbauten trotzdem immer in der Fluchtlinie der Görlitzer
Straßen, und aus Prospekten des Tourismus-Büros werden sie schon
mal rausretuschiert. Man sollte sie sich von nahem ansehen! Zur
absolut schmucklosen Rückseite, die an ein Gebirgsmassiv erinnert,
gehört immer die Vorderseite mit den bunten Balkons, die von ihren
Bewohnern erzählen. Gleich auf mehreren Spielpätzen gibt es noch
die schönen alten Stahl-Klettergerüste, die bei uns der TÜV auf
dem Gewissen hat.
Montag, 16. Februar 2015
Kosmonautenzentrum
Der
Sozialismus hat ja die christliche Verheißung durch die Vorstellung
von einer gerechten Gesellschaft ersetzt, die es, von den Klassikern
wissenschaftlich bewiesen, in der Zukunft geben würde. Im Kosmos
konnte man sozusagen schon in der Gegenwart in die Zukunft reisen,
Science-Fiction-Literatur war äußerst populär, manchmal
versteckten sich in der Beschreibung seltsamer Zustände auf anderen
Planeten sogar Ansätze von Gesellschaftskritik. Das überaus
präsente Bildprogramm der Kosmonautik hatte den Vorteil maximaler
Wissenschaftlichkeit und Technikeuphorie in Verbindung mit
quasireligiösen, metaphysischen Inhalten, wie einer extremen
Überhöhung des modernen Menschen, vor allem in Gestalt von Gagarin,
der als eine Art Ersatz-Jesus bereit war, sein Leben für die
Menschheit zu opfern (was er in der Erzählung von seinem Tod dann
auch tat). Ich glaube nicht, daß die Kosmonautik in der DDR so
populär war wie in der Sowjetunion, aber man war ungeheuer stolz auf
den ersten Deutschen im All und auf die Multispektralkamera vom VEB
Carl Zeiss Jena, mit der man, gerüchteweise, durch Kleidung gucken
konnte. Die Chance, Raumfahrer zu werden, war ja sehr gering, aber
darauf einstimmen konnten sich Kinder in Kosmonautenzentren, nach
russischem Vorbild. Das im heutigen FEZ heißt inzwischen aus
unerfindlichen Gründen "orbitall", das in Chemnitz heißt
aber immer noch Kosmonautenzentrum "Sigmund Jähn", es
stammt von 1964 und ist als einziges vom Konzept her "von Kindern
für Kinder", d.h. die Kinder werden von Kindern angeleitet. Es
gibt dort eine rührende Sammlung von selbst gebastelten Raumschiffen
(eine Apollo-Sojus-Kopplung!), man muß Reaktionstests bestehen und
einen Schleudersitz besteigen, Gerätschaften, die noch von früher
stammen und herrlich Patina angesetzt haben. Der Höhepunkt ist die halbstündige Fahrt im Cockpit eines Raumschiffs, das sich, eine Besonderheit, wie
mir versichert wurde, als einziges Cockpit eines Kosmonautententrums "direkt unter einer 35 Meter hohen Rakete befindet" (auf der seit der
Renovierung nicht mehr "V. Pioniertreffen" steht). Ein
Rückstoß-Experiment mit einem "kosmischen" und einem
"irdischen" Hammer wird vom Bordingenieur vorgeführt und der Bordarzt mißt
den Puls, nachdem man Kniebeugen gemacht hat. Daß der Flug noch von einem Z9001-Heimcomputer gesteuert
wird, an dem ich schon in der Schule BASIC gelernt habe, hat mich
natürlich gefreut, und die russischen Essentuben mit einem
Apfelsinen-Moosbeeren-Getränk und Quark sind sogar noch älter,
aber, wie mir die jugendliche Besatzung erläutert hat, die würden
ja nicht schlecht. "Wollt ihr denn auch Kosmonauten werden?",
habe ich den Bordinarzt gefragt. "Ich könnt mirs vorstellen,
wenn mir keine andere Berufswahl zur Verfügung steht." Die
Buche rechts vom Zentrum wurde übrigens von Waleri Bykowski und
Sigmund Jähn gepflanzt.
Samstag, 31. Januar 2015
Wunderwippe
Thale, DDR-Museum: diese Wippe, die man umdrehen konnte und die dann ein Auto war, hätte ich gerne. Leider ist sie bei ebay unbezahlbar. Ich staune immer, wieviel gutes Spielzeug es im Osten dann doch gab, davon habe ich damals nicht viel gemerkt, ich hatte nur Augen für Westspielzeug. Und wenn man die umfangreichen DDR-Spielzeugsammlungen der verschiedenen Museen ansieht, fällt auf, daß Kriegsspielzeug einen viel kleineren Teil des Sortiments ausmachte, als man meinen könnte. Auch im Vergleich zu den Unmengen an aggressivem Kram, der heute so angeboten wird. Das müßte man natürlich mit Statistiken belegen. Auf dem Bild muß man auch den typischen Chemielabor-Fußboden beachten, ich glaube, in unserer Neubauschule waren diese Fliesen auch in der Turnhallen-Dusche verlegt, die wir als Kinder nie benutzten, höchstens als Klo.
Freitag, 30. Januar 2015
Treckerreifen
In Gross Gastrose bei Guben hat die Grundschule noch ein altes Klettergerüst und diese angemalten Treckerreifen auf dem Spielplatz. Ich finde das ja großartig, Erwachenengerät zu Spielzeug umzubauen, aber würde man das heute noch machen? Und war das DDR-typisch? Autoreifen sind ja eigentlich an Autos völlig verschenkt. Was würden Landwirtschaftsbetriebe ohne Autoreifen machen, mit denen sie die Planen für ihre großen Misthaufen beschweren können? Und konnte man nicht auch in einem Treckerreifen einen Berg runterrollen? Oder habe ich das in einem Kinderfilm gesehen, in dem das böse endete? In Guben hat die NVA 1971 dem Kindergarten "Meister Nadelöhr" einen alten Hubschrauber geschenkt, zur "wehrpolitischen Motivierung" der Kinder. Dann haben zwei junge Männer versucht, damit in den Westen abzuhauen, konnten aber nicht abheben. Wehrdienst hin oder her, ein alter Hubschrauber gehört doch eigentlich in jeden Kindergarten, oder?
Montag, 26. Januar 2015
VERO Construc
Oder mal bei den Eltern in ihren Kisten wühlen: Construc von VERO aus Olbernhau, mit Motor und Lochstreifensteuerung. Aber ich habe das Gefühl, dass ich das jetzt viel toller finde als damals, weil man als Erwachsener gut gestaltetes Spielzeug viel mehr zu schätzen weiß. Und im Keller soll noch die TT-Bahn mit unausgepackten Zügen liegen.
Mittwoch, 14. Januar 2015
Bärchenkunst
Nach einer Magdeburg-Führung durch Nadja Gröschner habe ich so viel Material, daß das halbe Buch von Magdeburg handeln könnte. Zumal die Stadt eine der unterschätztesten Deutschlands sein dürfte. Ich habe sie ja selbst unterschätzt, als ich hier zur Armee musste, die sich als Bereitschaftspolizei entpuppte. Unser Wachobjekt, ein Munitionsdepot, ist jetzt ein Bike Inn. Viel schöner ist aber dieser alte Kindergartenzaun.
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