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Mittwoch, 19. August 2015

Alte Schriften in Bulgarien
















Ein paar alte Schriften aus Bulgarien. Man findet dort noch viel davon, vielleicht weil so viele Fassaden noch unrenoviert sind. In Warschau und Berlin gibt es ja Museen für Neonschriften, in Bulgarien müßte man so etwas schnell gründen, bevor diese Überlebenden einer untergegangenen Schrift- und Werbekultur auf dem Müll landen. Das Land hat so viele Reize, die dort überhaupt nicht geschätzt werden, aber das ist vielleicht ja sogar eine Voraussetzung für ein interessantes Reiseziel. Dieses Friseurgeschäft mit der improvisierten Brücke und dem Freiluftwartebereich, das wäre doch bei uns gar nicht erlaubt. Die vielen wackligen Bänkchen vor den Häusern wären auch eine Bildserie wert. Überall sitzt wer und unterhält sich oder guckt, während bei uns alle zuhause hocken, vielleicht weil die Wohnungen zu gemütlich sind oder das Internet zu schnell. 

Donnerstag, 29. September 2011

Craiova, August 2008



In der kleinen Synagoge von Craiova hing eine Marmortafel, die daran erinnerte, daß "diese heilige Stätte, die beim Erdbeben von 1977 stark beschädigt worden ist, mithilfe des Allmächtigen und durch die Sorge seiner Eminenz des Chef-Rabbiners D.Moses Rosen und der Leitung der Föderation der jüdischen Gemeinden der sozialistischen Republik Rumänien im Jahr 1982 restauriert wurde." Das "sozialistische" war, nicht sehr gründlich, mit weißer Farbe übermalt worden. Offenbar wurde dieses Wort hier als obszön empfunden. In Berlin hängen auf der Brücke vom S-Bahnhof Schönhauser Allee Gedenktafeln für die Opfer des Faschismus, im Emblem des Komitees der Antifaschistischen Widerstandskämpfer ist dort immer noch das DDR-Wappen zu sehen. Vielleicht hat man es vergessen, vielleicht sind den Spurenverwischern aber auch in diesem Fall die Hände gebunden. Ich empfinde dieses Symbol an dieser Stelle nicht als obszön, aber ich weiß, daß die Gefühle, die solche Spuren wecken, von der persönlichen Erfahrung abhängen, und daß sie sich im Leben ändern können. Im Moment freue ich mich immer, nicht so sehr über das Symbol, sondern über die Gedächtnisspur im Stadtbild. In Rumänien, wo die kommunistische Partei unter anderem Namen noch jahrelang weiterregiert hat, ist das "sozialistisch" sicher anders zu bewerten, als im Prenzlauer Berg, wo nur noch eine Minderheit der Einwohner weiß, wofür das Emblem einmal stand. Ich weiß nicht, ob man solche Dinge überhaupt soziologisch einschätzen und journalistisch aufbereiten kann.

Mittwoch, 28. September 2011

Bukarest, Strada Luterană


Die Beschriftung der Glastür war sicher nicht billig gewesen, der professionelle Eindruck ließ einen auch eher an sich selbst zweifeln. Ich ging sogar noch einmal zurück, um auszuschließen, daß das Lokal nicht einfach "Sandwitches" hieß, daß es sich also um keinen Schreibfehler, sondern um eines dieser kommerziellen Wortspiele handelte: "Die Sandwich-Hexen". Der Fehler freute mich, aber es war keine Schadenfreude, sondern die Freude darüber, daß Menschen Fehler machten. Ohne den Fehler hätte ich mir nie vorzustellen versucht, wer der Türbeschrifter war. Warum mußte man überhaupt richtig schreiben? Die ersten französischen Buchdrucker haben die Orthographie manipuliert, damit die Wörter länger wurden und der Kunde mehr bezahlen mußte. Leider ist für uns Orthographie kein Raum der Selbstverwirklichung, man darf nichts anfassen oder umstoßen, man muß nur irgendwie heil duchkommen.

Dienstag, 20. September 2011

Craiova, August '08

Selten hatte ich mich so frei gefühlt wie im Sommerkurs an der rumänischen Universität. Mit Heinz-Rühmann-Lächeln unterwarf ich mich voller Lust einer Ordnung, die auf mich als Privatier keinen Zugriff mehr hatte. Vielleicht hätte ich mich auch über einen Hocker gebeugt und Schläge mit dem Rohrstock hingenommen, um den Grad meiner Freiheit noch intensiver auszukosten. So muß man sich gefühlt haben, wenn man mit einem Westpaß in den Ostblock reiste, wie Herr Rossi, der nur in die Trillerpfeife blasen mußte, um sich in der der größten Gefahr in Luft aufzulösen und durch die Zeit zu verduften. Auf meine Art erlebte ich dasselbe, wenn ich morgens, mit einem Automatenkaffee in der Hand, zu spät den Unterrichtsraum betrat und, wenn mich etwas nicht interessierte, die Zeitung überflog. Den ins Exil gegangenen Rumänen wird vorgehalten, sie dürften sich kein Urteil über das Leben der Zurückgebliebenen erlauben. Dasselbe sagen die, die während der Belagerung in Sarajevo ausgeharrt haben über die Flüchtlinge. Wie weit muß man anwesend sein, um über ein Land Aussagen zu treffen? Manche Dinge fallen einem ja nur in den ersten fünf Minuten auf, z.B. das Wasser von den Klimaanlagen, das mir an den ersten Tagen auf den Kopf tropfte, es war für meine Wahrnehmung irgendwann verschwunden, weil ich den Pfützen automatisch auswich. Gibt es überhaupt die Realität Rumänien, die man mehr oder weniger gut kennen kann? Ergibt eine Dokumentation von Wim Wenders ein relevanteres Bild als eine einem Straßenhund umgebundene Kamera? Wieviel muß man gesehen haben? Ist "gesehen haben" quantifizierbar? Wenn das, was man sehen könnte, unendlich ist, spielt es dann eine Rolle, wieviel man gesehen hat? Sieht man mehr, wenn man sich viel bewegt, oder wenn man stehen bleibt und wartet? Beim Sommerkurs an der Universität fühlte ich mich wie der König als Bettler, der Traum von einem Studium ohne Prüfungen, einer Lehre, die nie zuende geht, ein Leben ohne jüngstes Gericht. Die Utopie einer Gesellschaft, in der jeder in Wirklichkeit nur den Platz eines anderen eingenommen hat, allen macht ihre Tätigkeit Freude, weil keiner machen muß, was er tut.

Montag, 19. September 2011

Băile Herculane, August 2008



In einer so benutzerfreundlichen und daher durchstandardisierten Gesellschaft wie unserer freut man sich immer über erfrischend alte Design-Lösungen. Den Eindruck von Fremde erzeugen im Ausland nicht nur Sprache und Essen, sondern noch viel stärker ungewohnte Schrifttypen und Leitsysteme. In Ländern wie Frankreich sind diese aber so standardisiert, daß vom Urlaub in der Erinnerung nur ein nie endenwollender Kreisverkehr bleibt. Als ideal gelten Leitsysteme bei uns, wenn wir die Information schnell und ohne Rauschen aufnehmen können, was bei mir immer eine große Traurigkeit erzeugt, man fühlt sich bevormundet und durchgewunken. Ich hätte gerne wieder eine unleserlichere Schrift für die Berliner U-Bahn. Im Südwesten von Rumänien, in Herkulesbad, das schon bei den Römern so hieß, sah ich eine filigrane Schweißarbeit, die offenbar ein Einzelstück darstellte und sich erst nach längerem Studium als Stadtplan entpuppte. Man bekam sofort Lust, dieses Gebilde auf den Boden zu legen, und in den Rinnen der stilisierten Straßen mit Matchboxautos zu spielen. Nicht nur war hier Material gespart worden, dieser Vorläufer von Google-Maps war auch auf eine rührend-analoge Art durchsichtig. Einzelanfertigung, ein Privileg, das bei uns im öffentlichen Raum nur sogenannte Kunstwerke genossen, sollte auch profanen Stadtmöbeln zugestanden werden. Der Handwerker müßte aber eigentlich Automechaniker oder Anlagenbauer sein, damit das Resultat so ungewöhnlich aussieht. Die Namen der angezeigten Hotels "Traian", "Hercules", "Roman", "Apollo", die Bäder "Neptun" und "Diana", die Quelle "Argus", zeugten vom Bestreben der rumänischen Offiziellen, als Erben Roms zu gelten und nicht als Vasallen Moskaus. Nur die "Vila 1.Mai" fiel etwas heraus. Zu diesem Inventar gehörte auch der Dakerkönig Decebal, der nach seiner Niederlage gegen Traian Selbstmord begangen hat. Aber solche Details verloren in 2000 Jahre an Bedeutung, es blieb die Tatsache, daß der große Traian dem kleinen Dakien damals die Ehre erwiesen hat, seine Kräfte mit ihm zu messen. Ob es eines Tages auch in Bagdad das Hotel Hussein neben dem Hotel Bush geben wird?

Freitag, 19. August 2011

Bukarest - Sinaia


"Müllabladen verboten, Strafe 10.000.000 Lei", noch in alter Währung, 2005 sind 4 Nullen gestrichen worden, macht 1000 Lei, also 250 Euro, wobei 10000000 Lei natürlich viel abschreckender klingt. "Vrei să fii Milionar?" klingt ja auch nicht so gut, wie "Vrei să fii Miliardar?", so hieß die Sendung vor der Währungsreform. Viele Rumänen rechnen noch in alten Lei, obwohl das theoretisch viel schwerer sein müßte, aber Nationen mit schwacher Währung sind bestimmt bessere Kopfrechner, wie Nationen mit älteren Autos ja auch bessere Autoreparierer sind.

Sonntag, 14. August 2011

Bukarest, Stradă Luterană





"Deiner Gesundheit zuliebe, werde unser Partner". Und darunter steht: "Achtung, herunterfallender Putz!" Ich glaube inzwischen fast, daß sie diese Witze mit Absicht machen.

Samstag, 13. August 2011

Bukarest, Şipotul Fântânilor



"Mini ABC" war ein vorausschauender Name für diesen Laden, denn erst gab es nur Brot und Gemüse, aber später wurde das Angebot auf Fotokopien und Versicherungen erweitert. Und ein bißchen Platz ist immer noch auf dem Schild.

Freitag, 12. August 2011

Elelectronice


Mündliches Stottern ist weit verbreitet, aber schriftliches Stottern, und das bei einem Schildermaler?