Samstag, 4. Februar 2017
Dienstag, 11. August 2015
Plasteflaschen
Samstag, 8. August 2015
Lüftungsrohre
Dienstag, 10. März 2015
Robinson-Design
Montag, 2. März 2015
Volkskunst
Donnerstag, 19. Februar 2015
Externe Cursorsteuerung "Maus"
Eigentlich war es nur folgerichtig, daß Kati Witt irgendwann eine Liaison mit MacGyver hatte, wahrscheinlich hat er sie mit seiner Frisur und seinen Bastelfähigkeiten an die DDR-Männer ihrer Jugend erinnert, die ja, wenn sie ihrer Familie etwas bieten wollten, auch immer auf MacGyvers Fähigkeiten angewiesen gewesen waren. Die tschechische Knetfigurenserie "Pat und Mat" kam mir immer wie eine Verfilmung unseres Alltags vor, man wollte sich etwas basteln und löste dadurch eine Kaskade von Pannen aus. Meine Lieblingszeitschrift war damals die "Practic", auch wenn ich selten etwas daraus erfolgreich nachgebastelt habe, aber es gab so wundervolle Lesertips, z.B., wie man aus Eierverpackungen einen Lampenschirm oder aus zwei Kleiderbügeln eine Trockenvorrichtung für Plastetüten herstellen konnte. 1988 wurde eine Anleitung zum Bau einer Maus abgedruckt, die "sich zur Cursorsteuerung einen festen Platz erobert hat, bei manchen PC gehört sie sogar schon zur Standardausstattung." Materialien waren zwei Holzkugeln, Schrauben, Muttern, Metallreste und eine Seifendose. "Hast du Isoband und Draht, dann kommst du bis nach Leningrad!"
Freitag, 13. Februar 2015
Hühner-Trabi
Walddrehna bei Luckau: zum Glück kann ich den Navi nicht richtig programmieren, deshalb führt er mich immer von der Landstraße weg durch die kleinsten Orte. So habe ich endlich einen Beleg für etwas gefunden, das ich mir also doch nicht eingebildet hatte: den Trabi als Unterstand für Hühner. Ob er ganz verbuddelt wurde, oder nur das Dach?
Freitag, 30. September 2011
Măldăreşti, August '08
Wem die Mangelgesellschaft eine besondere Anpassungsfähigkeit antrainiert hatte, der befand sich in einer Welt schwindender Ressourcen in der Avantgarde. Der Blick für die unerkannt in den verfügbaren Materialien schlummernde Funktion hatte eine künstlerische Dimension. Der Stützisolator war ein Ready-made, man mußte ihn nur aus seinem Sinnzusammenhang lösen und als Torpfosten verwenden, eine Methode, die Marcel Duchamp berühmt gemacht hat. Plötzlich hatten die Schirme um den Strunk, die bei diesen Bauteilen für eine Kriechwegverlängerung sorgen, eine dekorative Wirkung. Mittwoch, 21. September 2011
Craiova, August '08
Vom Geflecht der Gasleitungen, das an manchen Häuserwänden offen lag und dadurch etwas anrührend verletzliches hatte - vor allem, wenn man es mit der Farbe der Unschuld unsichtbar zu machen versucht hatte-, ging auf mich die gleiche Faszination aus, wie von den Schaltplänen und Leiterplatten, deren Sprache ich als Jugendlicher vergeblich zu lernen versucht hatte, weil ich mir vorstellte, daß es mir eine große Macht verliehen hätte, darin lesen zu können. Aber auch, wenn ich nichts davon verstand, schraubte ich gerne Geräte auf, es war wie der Blick unter die Motorhaube, eine Geste, die keinen Sinn hatte, sich aber gut anfühlte. Vielleicht mochte ich diese Gasleitungen auch, weil sie mich an meine alte Wohnung erinnerten, wo es ähnlich ausgesehen hatte. Rohre führten hinein und andere hinaus, manche kannte ich, andere nicht, aber es war gut zu wissen, daß wenigstens meine Wohnung ihre Rolle in der Gesellschaft voll ausfüllte.
Freitag, 16. September 2011
Iași, August '09

Die Plattenbauten waren der blinde Fleck im Auge des westlichen Besuchers, die Einladung, sich als etwas besseres zu fühlen, Kraft eines ästhetischen Urteilsvermögen, das einen befähigte, den herausragenden Schauwert des Taj Mahal zu erkennen. Die optische Blockade, die durch den Mangel an gewohnten Reizen erklärt werden könnte, aber nicht mit einem tatsächlichen Mangel an Reizen, löste sich erst nach Tagen beim Betrachten einer Plattenbaufassade, an der mit einem Mal die Vielfalt von Lebenszeichen auffiel, mit der die tägliche Existenz der Menschen diese formstrenge Architektur versehen hatte. Viele Balkons, die als Stauraum, Blumengarten oder Bücherzimmer dienten, verschlossenen sich nicht dem Blick von der Straße, sondern erlaubten dem Passanten Spekulationen über das Leben ihrer Bewohner. Andere Balkons waren mit Busscheiben verglast worden, ein Beleg für die Kriegsökonomie, die im Osten herrschte, und die die Menschen zu Bastlern machte, wie unsere Großmütter aus Wehrmachtshelmen Kochtöpfe und bauten und Kleider aus Fallschirmseide nähten. Die Freude über die gelungene Lösung, die ein Bastler empfindet, wenn es ihm gelungen ist, durch die Kraft seiner Imagination aus dem zufällig vorhandenen das gerade benötigte herzustellen, wurde bei der Klage über die Mangelwirtschaft, die vor allem von denen erhoben wurde, die gar nicht unter ihr gelitten hatten, unterschlagen.
Mittwoch, 14. September 2011
Iași, August '09

Dienstag, 13. September 2011
Iași, August '09

Freitag, 9. September 2011
Crișan

In Crișan, mitten im Donaudelta stieß ich auf eine anrührende Handwagenkultur. Diese Fahrzeuge dienen hier dem Zweck, Touristengepäck von der Anlegestelle zur Pension zu transportieren. Die in Handarbeit geschaffenen Modelle dokumentieren einen Überschuß an ästhetischem Ausdruckswillen, wenn sie auf verspielte Weise denselben Bautyp variieren. Jedes dieser Fahrzeuge, die, schon weil sie mit Muskelkraft betrieben werden und die Hände binden, für niedere Arbeiten stehen - bzw. sogar emblematisch wurden für die Vertreibung von Volksgruppen aus ihrer Heimat-, erstaunt hier durch eine Unverwechselbarkeit, die bei uns durch die industrielle Massenproduktion verloren gegangen ist.
Donnerstag, 8. September 2011
Mila 23

Im Donaudelta leben Nachkommen von Russen, die im 17.Jahrhundert wegen einer Kirchenreform das Land verlassen hatten, sie wollten das Kreuz weiterhin mit zwei und nicht mit drei Fingern schlagen. Wie seltene Blumen betrachtet man die Gräber, wenn Namen wie Nichiforov, Danilov, Marcov darauf stehen, ein paar Kilometer weiter, hinter der ukrainischen Grenze, würde man nicht so staunen. Man muß nur seine Heimat verlassen, um interessant zu werden. Vielleicht gibt es Gegenden in der Welt, in denen unser Hausspatz als Exot bestaunt wird. Der Friedhof von Mila 23 war so zugewuchert, daß ich Angst hatte, auf Gräber zu treten. Die Schmiedearbeiten haben mich an unsere Brandenburger Gartenzäune erinnert.
Dienstag, 30. August 2011
Bukarest, Calea Plevnei
Eine Treppe endete an einer Wand, war hier einmal eine Tür gewesen und die Treppe übrig geblieben? Oder war das ganze Haus ausgetauscht worden? Oder handelte es sich um eine optische Täuschung, und man konnte durch die Wand durchgehen, wenn man nur fest daran glaubte? Vielleicht brachte es auch Unglück, Treppenstufen abzureißen? Oder man hatte noch seine Haltung aus der Zeit des Mangels bewahrt, daß man nichts wegwarf, auch keine Treppenstufen? Erst als ich anfing, über solche Rätsel nachzudenken, gingen mir die Augen auf, und ich staunte über den Reichtum und die Vielfalt dieser Stadt. Es war, als mußte man erst durch eine Wand gehen.
Montag, 29. August 2011
Heimatweh
In meiner Straße war eine Allee von Betonfässern aufgestellt worden, weil ein Kabel in zwei Metern Höhe zu einer Baustelle geleitet werden sollte. In Deutschland erinnerten Baumaßnahmen immer an den Atlantikwall. Das spirituelle Zentrum der Bundesrepublik war die Tiefgarage, nirgends war man der Seele der Deutschen näher. In der schmucklosen Solidität unserer Bunkerarchitektur lag eine große Angst vor der Zukunft. In Bukarest sahen Baustellen aus wie Spielplätze, auch wenn hier niemand Helme trug. Die Männer, die bei einem Gebäude von Anfang an dabei waren, lernten mit jedem Stockwerk mehr über ihre Aufgabe. Kabel wurden in Baumgabeln gelegt wie Gartenbeleuchtung.
Mittwoch, 24. August 2011
Tulcea
Aus Bewehrungsstahl, Rohr, Beton und Blech, den Materialresten, die die überforderte Volkswirtschaft ihnen zuteilte, hatten namenlose Gestalter Formen entworfen, denen man auch nach Jahrzehnten noch ansah, wie gerne man damals in der Zukunft gelebt hätte.
Sonntag, 21. August 2011
Bukarest, Bulevardul Lăscar Catargiu
Auf solchem Pflaster wurde das Gehen nie langweilig, man sah viel auf den Boden, wie als Kind, und es war manchmal wie beim Wandern im Gebirge, daß man sich freute, wenn man auf einem großen, glatten Stein festen Halt fand.
Samstag, 20. August 2011
Bukarest
Oft waren in die Türen und Hoftore Gucklöcher geschnitten worden, durch die ein kühler, in der Hitze angenehmer Luftstrom blies, der nach Vergangenheit und rumänischen Schwarz-Weiß-Filmen im Ferienprogramm roch.
Donnerstag, 18. August 2011
Tulcea, Monumentul Eroilor
Dieses Toilettenschild in Tulcea am "Denkmal für die Helden" ist in Wahrheit ein Palimpsest. Ein lässig grüßender Mann und eine Frau in Pumps und Minirock machen auf jeden Fall schon einmal Lust auf einen Toilettenbesuch außer der Reihe. Wenn man genau hinsieht, stellt man aber fest, daß das Schild übermalt wurde und bereits ein Leben als Straßenschild hinter sich hat. "Strada Orizontului" steht dort eingeprägt. Es ist schön, daß in Rumänien nicht nur alte deutsche Regionalexpresse, alte deutsche Papierkörbe und alte deutsche Postautos eine zweite Chance bekommen, sondern auch Schilder von nicht mehr benötigten Straßen.




























