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Montag, 29. August 2011

Heimatweh

In meiner Straße war eine Allee von Betonfässern aufgestellt worden, weil ein Kabel in zwei Metern Höhe zu einer Baustelle geleitet werden sollte. In Deutschland erinnerten Baumaßnahmen immer an den Atlantikwall. Das spirituelle Zentrum der Bundesrepublik war die Tiefgarage, nirgends war man der Seele der Deutschen näher. In der schmucklosen Solidität unserer Bunkerarchitektur lag eine große Angst vor der Zukunft. In Bukarest sahen Baustellen aus wie Spielplätze, auch wenn hier niemand Helme trug. Die Männer, die bei einem Gebäude von Anfang an dabei waren, lernten mit jedem Stockwerk mehr über ihre Aufgabe. Kabel wurden in Baumgabeln gelegt wie Gartenbeleuchtung.

Freitag, 26. August 2011

Bukarest


Ein ausrangierter Regionalexpress, Postautos, Papierkörbe, der Auswurf der deutschen Gesellschaft führte hier ein zweites Leben. Die Banalität dieser Begegnungen machte mich jedesmal traurig und mutlos. Es war mir schon einmal passiert, daß diese Formen alles Bekannte verdrängt hatten. Zahnkliniken und Wäschereien nannten sich deutsch, um Kunden zu locken, eine Ladenkette für deutsche Produkte führte Marken, von denen ich noch nie gehört hatte. In manchen Dörfern hatte man die Dorfstraße mit Dutzenden deutscher Papierkörbe geschmückt, die dicht nebeneinander hingen. Offenbar war die Möglichkeit, seinen Müll in einen Papierkorb zu werfen, zu einem kommunalen Statussymbol geworden, trotzdem wurde kaum Gebrauch davon gemacht. Es gab Tage, an denen ich den herumliegenden Müll mit Wohlwollen sah, weil er auf deutsche Touristen abschreckend wirken mußte.