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Montag, 24. August 2015

Kunst im öffentlichen Raum













Ein paar Beispiele für übriggebliebene Kunst im öffentlichen Raum aus Bulgarien. Ob das dort von irgendwem dokumentiert und gesichert wird? In Gabrovo wird ein Plattenbau von drei Schmieden beschützt. Beim Denkmal für die russischen Befreier aus Sofia, mit den üblichen Verbrüderungsszenen, fiel mir auf, daß ein russischer Soldat auf einem Motorrad sitzt. In den Berichten vom Kriegsende in Deutschland liest man immer nur von Panje-Wagen und gestohlenen Fahrrädern.

Samstag, 22. August 2015

Ostmoderne in Bulgarien











Wie in Rumänien fiel mir auch in Bulgarien auf, wieviel Mehrfamilienhäuser mit Bauhaus-Elementen es gibt, meistens sind sie sogar noch ganz gut erhalten. Leider bin ich kein Architekturhistoriker und kann mir nicht erklären, warum dieser Baustil auf dem Balkan so erfolgreich war. Die Gebäude aus der sozialistischen Zeit sind dagegen leider oft in sehr schlechtem Zustand. Wahrscheinlich war schon das Baumaterial minderwertig. Für diese Epoche hat hier niemand etwas übrig. Warum? Ich liebe diese Schmetterlingsdächer. Man staunt über die geschickt gegliederten Fassaden. Der breite Wohnriegel aus Gabrovo wirkt auf dem Foto leider nicht so beeindruckend komponiert wie in echt. Die unterbrochenen Balkonbänder, man merkt, daß da jemand wußte, was er wollte. Traurig, wenn man sieht, was danach kam, die postmoderne Welt der unsensibel hingeklotzten Glasprismen-Banken, des Folklore-Kitschs und der vom Baumarkt inspirierten Säulchen-Fassaden, bei denen man keinen gestalterischen Gedanken mehr erkennt.

Donnerstag, 20. August 2015

Bulgarien retro












Dinge von früher, heute in Bulgarien gesehen. Eine Katze, das Logo des "Hauses für Humor und Satire" in Gabrovo. Die Gabrovoer gelten als so geizig, daß sie ihren Katzen die Schwänze abschneiden, damit sie im Winter die Türen schneller schließen können und keine Wärme verloren geht. Ein alter Bakelit-Lichtschalter neben einem neuen aus Plaste, mit vorgetäuschter Holzmaserung, in der Sveta-Nedelja-Kathedrale in Sofia. Ein alter Fahrstuhl von der Sofioter Ascenceur-Fabrik, noch in Betrieb. Man mußte immer einen großen Schritt machen, weil er auf jeder Etage 20 cm zu tief hielt. Zagorka-Bier mit Retro-Etikett. Kinderbücher, die ein Bettler verkaufte. Bärenblut-Rotwein (wieder aufgelegt?) Ein Plakat zum Jubiläum von 50 Jahren Coca-Cola-Lizenzproduktion in Bulgarien. 1965 wurde hier die erste Coca Cola abgefüllt, seitdem, so schreiben sie, "lächelten täglich tausende Bulgaren". Stühle und Tische an der Uni Tarnovo, die wie die etwas vergröberte Version der klassischen DDR-Schulmöbel aussehen. Ein Zeitungskioskpilz in Gabrovo. Eine Beton-Olympiafackel, die 1980 aufgestellt wurde, als die Fackel auf ihrem Weg nach Moskau von bulgarischen Sportlern des Kreises getragen wurde. Und schließlich vom Trödel ein von irgendwem selbst belichtetes Winnetou-Fanbild, vom Hersteller mit Schreibmaschine beschriftet: "Winnetou und Vernichtende Hand".

Mittwoch, 19. August 2015

Alte Schriften in Bulgarien
















Ein paar alte Schriften aus Bulgarien. Man findet dort noch viel davon, vielleicht weil so viele Fassaden noch unrenoviert sind. In Warschau und Berlin gibt es ja Museen für Neonschriften, in Bulgarien müßte man so etwas schnell gründen, bevor diese Überlebenden einer untergegangenen Schrift- und Werbekultur auf dem Müll landen. Das Land hat so viele Reize, die dort überhaupt nicht geschätzt werden, aber das ist vielleicht ja sogar eine Voraussetzung für ein interessantes Reiseziel. Dieses Friseurgeschäft mit der improvisierten Brücke und dem Freiluftwartebereich, das wäre doch bei uns gar nicht erlaubt. Die vielen wackligen Bänkchen vor den Häusern wären auch eine Bildserie wert. Überall sitzt wer und unterhält sich oder guckt, während bei uns alle zuhause hocken, vielleicht weil die Wohnungen zu gemütlich sind oder das Internet zu schnell. 

Dienstag, 11. August 2015

Plasteflaschen








1988 begeisterten wir uns in Budapest an unseren ersten Cola- und Schweppes-Plasteflaschen, die man, unglaublicher Luxus!, zum Inhalt dazubekam und behalten durfte. Wir transportierten ja unser Campingkocher-Benzin in alten Lenorflaschen, die wir notdürftig abdichteten, indem wir den Deckel über Plastefolie zuschraubten. Die Colaflaschen waren besser als unsere Trinkflaschen, und sie paßten genau in die Seitentaschen der Kraxe, als wären sie dafür gemacht. Ich glaube, ich benutzte sie noch 2-3 Jahre auf Wanderungen. In Bulgarien habe ich angefangen, die vielfältige Nutzung von Plasteflaschen zu dokumentieren. Als Blumentopf, als Gießkanne für die so beliebten Zimmerpflanzen, mit Sand gefüllt als Poller, als Kopfstück für ein Fallrohr, als Schutz gegen aus dem Beton ragende Enden von Bewehrungsstahl. Im Zentrum von Sofia füllten sich die Leute an einer Mineralwasserquelle, die 40° heiß war, in großem Stil Wasser ab. Ich habe auch noch ein Bild aus Budapest dazugefügt, wo ich in den Parks oft Plasteflaschen in den Bäumen hängen sah, die zur Vogelfütterstation umgebaut worden waren.

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Nachtrag aus Thessaloniki